Header Lebensmittelverschwendung

Foto(s): Henrik Matzen, Monique Wüstenhagen/ Tafel Deutschland e.V.
Text: Anneke Fröhlich

Teller statt Tonne – diesen Aufruf haben wir alle schon oft gehört. Dennoch landen immer noch viel zu viele Lebensmittel ohne Grund im Abfall. Mit ein bisschen Köpfchen beim Einkaufen und Kochen ließe sich eine Menge davon vermeiden.

Allzu viel von dem, was eigentlich lecker sein sollte, gelangt gar nicht erst auf unsere Zungen. Jede Bundesbürgerin und jeder Bundesbürger werfen, so die Statistik, pro Jahr etwa 75 Kilogramm Lebensmittel in den Müll. Hinzu kommt all das, was bereits bei der Produktion und der Verarbeitung sowie im Handel aussortiert wird. Insgesamt wird auf diese Weise eine kaum vorstellbare Menge wertvoller Produkte vernichtet – mit negativen Folgen nicht nur für den Geldbeutel jedes Einzelnen, sondern auch für den Energie- und Wasserverbrauch, für die Entsorgung von Verpackungsmaterial und für das Klima. Die vermeidbare Lebensmittelentsorgung in der EU setzt jährlichso  viel klimaschädliche Gase frei, wie im gleichen Zeitraum insgesamt in den Niederlanden entstehen.

Gute Zusammenarbeit mit den Tafeln
„Alle können zur Müllvermeidung beitragen – die Hersteller ebenso wie der Handel und die Verbraucher“, sagt Martina Steffen. Die Leiterin der Abteilung Qualitätssicherung bei Bartels-Langness, der Muttergesellschaft von famila ist Lebensmitteltechnikerin und weiß genau Bescheid über Hygienevorschriften, Kühlketten und Mindesthaltbarkeitsdaten. Ganz verhindern lässt sich nicht, dass in den Regalen bei famila Lebensmittel übrigbleiben. „Wir arbeiten mit den Tafeln vor Ort zusammen. Die Helfer holen Waren kurz vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums ab, ebenso wie Obst und Gemüse, das noch in Ordnung, aber nicht mehr makellos ist“, berichtet Martina Steffen.

Ein modernes Warenwirtschaftssystem sorgt zudem dafür, dass möglichst immer die richtige Menge an Waren verfügbar ist. Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum schon sehr nah ist, werden oft zum Sonderpreis angeboten. Sehr willkommen sind bei famila und Markant Lieferanten wie zum Beispiel das junge Berliner Start-up Rettergut, das Gemüse mit kleinen Makeln zu Suppe, Brotaufstrich oder Pesto verarbeitet.

Kreativ gegen die Verschwendung
Eine Menge Verantwortung liege auch bei den Kunden, so Martina Steffen. „Wir alle sollten Lebensmitteln mehr Wertschätzung entgegenbringen und mit Köpfchen nur die Mengen einkaufen, die wir wirklich benötigen“, betont sie. Das gilt besonders für frische Produkte. „Es lohnt sich, kreativ zu sein. Ein bisschen zu viel Obst kann man zum Beispiel prima einkochen, Käse kann man einfrieren, und ich bin ein großer Fan davon, aus Resten im Kühlschrank kreative Aufläufe oder bunte Pfannen zu zaubern.“ Wichtig ist auch: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nicht gleichzusetzen mit dem Verbrauchsdatum, ab dem Produkte nicht mehr verzehrt werden können. „Kieken, Rüken, Smecken“ steht zum Beispiel charmant-plattdeutsch auf den Verpackungen der Meierei Horst – ein Aufruf, das Produkt mit den Sinnen wahrzunehmen, um zu entscheiden, ob es noch in Ordnung ist. „Wenn jeder sich danach richtet und ein bisschen bewusster einkauft, könnten wir die Mengen, die in den Tonnen landen, deutlich reduzieren“, ist Martina Steffen überzeugt.

Tafeln in Cottbus
Fotografie