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Toben, wühlen, schnüffeln, balgen: Strohschweine führen ein sauglückliches Leben. Davon, wie es aussieht, wenn sich die Tiere richtig wohlfühlen, durften wir uns auf dem Gut Rögnitztal von Familie Petersen nahe dem mecklenburgischen Ludwigslust ein Bild machen.

Foto(s): Frederik Röh
Text: Claudia Reshöft

Es raschelt leise, es wird still, dann raschelt es wieder. Diesmal etwas lauter. Und anhaltender. Ein Blick über den mit blauen Planken und Metallbrüstung versehenen Auslauf verrät, wer dahintersteckt. Zwei Schweine stapfen durch kniehohes Stroh, kommen näher und erkunden neugierig die ihnen entgegengestreckte Hand. Plötzlich öffnet sich die niedrige Tür des langen Stalls wie von Zauberhand, dann nochmal und nochmal.
Mit ihren Rüsseln haben drei weitere Schweinchen den Weg nach draußen gefunden und wollen mal sehen, was da los ist. Ein ausgiebiges Schnüffeln, dann graben sie ihre Rüssel ins Stroh, zwei von ihnen beginnen quiekend miteinander zu balgen. Ein anderes Tier gräbt sich mit Wonne tief in die Einstreu und legt sich für ein Nickerchen hin. Jetzt herrscht wieder Ruhe auf Gut Rögnitztal in Vielank bei Ludwigslust.

Viel Bewegung für gute Muskeln
Die entspannte Atmosphäre auf dem Betrieb von Familie Petersen liegt wohl auch daran, dass Jens Petersen und seine Tochter Wiebke sich letztes Jahr entschieden, ihren Mastschweinen ein komfortables Leben zu ermöglichen: mit mehr Platz, einem Auslauf zum Toben, frischer Luft zum Atmen im Freien und dennoch Schutz vor Wind und Regen sowie mit weichen Betten aus Stroh. Damit haben die klugen, hochsozialen Tiere die Möglichkeit,
all das zu tun, was sie am liebsten machen: wühlen, pflügen, spielen, schnüffeln. „Seit wir auf Strohhaltung umgestellt haben, sind unsere Schweine aktiver und gesünder“, haben Jens und Wiebke Petersen erfahren. „Das macht sich auch bei der Fleischqualität bemerkbar, denn durch die Bewegungsfreiheit ist der Muskelfleischanteil höher“, stellt Frank Muchow fest, der als Leiter der famila-Fleischzentrale eine Kooperation mit
Familie Petersen eingegangen und beim Besuch auf Gut Rögnitztal dabei ist.

Die Zukunft heißt: mehr Tierwohl
Mehr Tierwohl und besseres Fleisch: Das möchten die Petersens erreichen. Seit zehn Jahren bewirtschaften sie den einstigen LPG-Betrieb in Vielank. In dieser Zeit sank der Marktpreis für Schweinefleisch immer wieder auf ein so niedriges Niveau, dass die Halter kaum davon leben können.

„Aktuell schreiben Schweinehalter pro Tier einen Verlust von 50 Euro“, sagt Jens Petersen. Der Weg aus der Krise? Mehr Qualität, weg vom Diktat des Weltmarkts, hin zu einem geschlossenen System, in dem die Petersens die volle Kontrolle über die Reproduktion, Aufzucht und Mast ihrer Tiere haben. Vor drei Jahren stellten sie ihren Betrieb um. „Wir züchten selbst, und zwar die Deutsche Landrasse. Wir möchten gern dazu beitragen, diese sensible Rasse zu erhalten. Für noch besseres Fleisch, aber auch für eine stärkere Robustheit kreuzen wir unsere Strohschweine mit Durocs“, ergänzt Jens Petersens Ehefrau Anette. Der zukunftsfähige Umbau des im Biosphärenreservat Elbtal gelegenen Hofes war schließlich auch der Anreiz für Tochter Wiebke, als studierte Agrarwirtin den Betrieb in die nächste Generation zu überführen. „Wir dachten damals, wir bauen mal eben einen Auslauf, und dann können die Schweine in der Erde buddeln. Aber nichts da …“, erinnert sich die 31-Jährige. Während des Genehmigungsverfahrens redete nicht nur das kommunale Bauamt ein Wörtchen mit; auch Umweltbeauftragte und Brandschützer stellten einen umfangreichen Anforderungskatalog.

Geschlossener Betriebskreislauf
Nachdem alles abgearbeitet, das Brandschutzkonzept dank der örtlichen Feuerwehr zügig erfüllt und entsprechende Investitionen gesichert waren, konnten die Mastschweine endlich ins Freie. Pro Jahr verlassen rund 9.000 Strohschweine Gut Rögnitztal. Vor ihnen liegt kein weiter Weg, die Schlachtung erfolgt im etwa 60 Kilometer entfernten Perleberg. Das Futter wächst auf den betriebseigenen Flächen, auf denen unter anderem neben Erbsen als proteinreiches Kraftfutter auch Kartoffeln gedeihen. Das Stroh für die Einstreu ist ein Nebenerzeugnis der Weizenernte, und die anfallende Gülle landet als Dünger auf den Äckern. „Wir sind durch unsere Biogasanlage unabhängig von Fremdenergie“, sagt Jens Petersen. Für ihn steht fest, dass
sich der kostenintensive Schritt in Richtung Zukunft gelohnt hat. „Mehr Wohl für die Strohschweine und die Verantwortung in den eigenen Händen: Das schafft eine gute Grundlage für Vertrauen“, sind die Petersens ebenso wie Frank Muchow überzeugt. Und das gibt ihnen allen ein gutes Gefühl.

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Strohschwein

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