Rettergut

Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland alljährlich im Abfall, obwohl sie genießbar wären. Mit ihrem Berliner Start-up Rettergut geben die Zwillinge Philipp und Stefan Prechtner krummen Gurken und Co. eine Chance. Sie bringen leckere Aufstriche, Suppen und sogar Schokolade auf den Markt.

Schon auf den Feldern und Plantagen wird aussortiert: Die Gurke ist zu krumm, die Rübe verschrumpelt, der Kürbis verwachsen. Was nicht der Norm entspricht, landet im Müll. Zudem schafft es bei langen Transportwegen und Lagerung nicht jedes Lebensmittel, frisch und unversehrt in die Auslagen zu kommen. Es kann doch nicht sein, dass alles, was optische Mängel hat, in den Abfall gerät, sagten sich die Brüder Philipp und Stefan Prechtner und gründeten im Oktober 2019 das Start-up namens Rettergut. „Ein großer Teil unserer Arbeit besteht darin, herauszufinden, wann und wo Lebensmittel verschwendet werden“, erklärt Geschäftsführer Philipp Prechtner. „Das beginnt auf dem Acker, geht über Sortier- und Herstellerbetriebe, den Handel und schließlich bis hin zum Verbraucher. Auf der ganzen Strecke wird weggeworfen, was das Zeug hält. Das Problem ist größer, als man denkt.“

Mit Crowdfunding finanziert
Mit dem Retten von Lebensmitteln kannten sich die beiden jungen Männer bereits aus. Mit ihrer Firma Dörrwerk hatten die gebürtigen Regensburger 2015 eine  Rettungsaktion für Früchte gestartet und stellen daraus gesunde Snacks her. Im Laufe der Jahre wurde ihnen bewusst, dass man nicht nur Obst eine Chance geben muss, sondern auch Gemüse mit kleinen Makeln. Das sei noch lange gut genug, um als Suppe, Brotaufstrich oder Pesto „Karriere zu machen“. Bei der Rezeptentwicklung spielten sowohl der Geschmack als auch Bioqualität und Haltbarkeit große Rollen. Schließlich sollte das Retten auch wirklich nachhaltig sein. Mit einem Crowdfunding finanzierten die heute 33-Jährigen die Produktion. Die Zwillinge waren sich sicher: „Es gibt jede Menge begeisterte Lebensmittelretter da draußen, die unsere Werte und Ziele sowie unsere Vision von einer Welt ohne Verschwendung teilen.“ Das Kalkül ging auf. „Wir lassen die Suppen bei einem Spezialisten für Bioprodukte in Deutschland produzieren. Das garantiert höchste Ansprüche an Qualität und Geschmack für die Verbraucher, verursacht im ersten Schritt aber auch hohe Kosten“, beschreibt Philipp Prechtner die Herausforderung der Gründer. Mit dem Geld, das über das Crowdfunding zusammenkam, konnte die Produktion der Suppen gesichert werden. Außerdem ermöglicht es, neue Produkte auf Basis geretteter Rohstoffe zu entwickeln.

Die Kunden von famila kommen zurzeit in den Genuss von Suppen aus Karotten, Kartoffeln, Rote Bete oder Paprika. Ähnliche Varianten gibt es bei den Brotaufstrichen.

Die Idee von der Mixschokolade
Doch auch leckere Schokolade ist von Rettergut zu haben. Dahinter steckt eine ganz pfiffige Idee, die die Prechtner-Brüder entwickelten. Wenn nämlich in der Schokoladenherstellung die Sorte gewechselt wird, werden die Maschinen nicht gereinigt, sondern die neue Sorte einfach eingefüllt. Die Reste der vorherigen Sorte vermischen sich mit der neuen. So entstehen oft mehrere Hundert Kilogramm Schokolade, die der Hersteller nicht verwerten will, weil sie nicht sortenrein ist. „Wir haben die Schokolade probiert und waren entsetzt darüber, dass sie einfach weggeworfen wird.“ Schließlich werden mit der Schokolade auch alle aufgewendeten Ressourcen entsorgt. Allein 20.000 Liter Wasser benötigt die Erzeugung von einem Kilogramm Kakao. Die Mixschokolade, die Rettergut bei den jeweiligen Spezialisten klimaneutral produzieren lässt, ist mittlerweile ein Renner. Zudem ist die Verpackung aus FSC-zertifiziertem Holz, und die Folie ist kompostierbar.

Wertschätzung für Obst und Gemüse fördern
Mehr als 150 Tonnen Lebensmittel haben die Macher von Rettergut inzwischen vor der Vernichtung bewahrt. Ein Teil des Umsatzes fließt in die GemüseAckerdemie. Das vielfach ausgezeichnete Bildungsprogramm des gemeinnützigen Vereins Ackerdemia e. V. fördert unter anderem die Wertschätzung von Lebensmitteln bei Kindern und Jugendlichen. Was macht mehr Spaß, als das Gemüse zu essen, das man auf dem eigenen Kita- oder Schulacker gemeinsam gesät, gepflegt und geerntet hat? So erfahren die Kinder, wo Lebensmittel herkommen, wie sie wachsen und wie viel Arbeit in ihnen steckt. Mehr als 650 Kitas und Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nehmen mittlerweile an diesem Bildungsprogramm teil. Rettergut selbst fördert außerdem eine eigene AckerSchule in Berlin-Charlottenburg. So viel Engagement bleibt nicht unbemerkt. Für seine Arbeit hat das Unternehmen bereits zahlreiche Preise gewonnen, unter anderem den „Sweetie“, den Bundespreis „Zu gut für die Tonne“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und den Best New Product Award der BioFach 2020.

Erhältlich in überall bei famila.

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