Oldesloer Spirituosen

Genau 13.000 Weizenkörner braucht man für den aufwendigen Handwerksprozess zwischen Gärtank, Siedevorgang, Destillation und Lagerung, um am Ende eine 0,7-Liter-Flasche mit Weizenbrand nach Oldesloer Reinheitsgebot zu befüllen. Thomas Ernst, Geschäftsführer der 1898 gegründeten Kornbrennerei, hat das zwar nicht nachgezählt. „Aber auf die Angabe unseres Brenners Christoph Schacht ist Verlass“, sagt er. „Wir sind hier wie eine Familie.“ Vertriebsleiter Klaus Runge nickt bestätigend.

In dieser Spirituosenfabrik hat das Familiäre Geschichte
Die Produktionsstätte des Oldesloer Korns aus reinem Weizen wirkt in der Tat familiär. Viele Mitarbeiter sind seit 40 Jahren dabei, der Meister der Brennerei hat hier sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Thomas Ernst führt den Familienbetrieb seit 22 Jahren in vierter Generation. Möbel aus dem Familienerbe am Firmensitz laden ein, sich in die Zeit zurückzudenken, als der Oldesloer Landwirt August Ernst im Winter aus Getreide und Kümmel Schnaps brannte. Das war der Oldesloer Kümmel, plattdeutsch Köm. Der kam so gut an, dass Vater und Sohn das Handwerk rasch ausweiten konnten. Die bei der Destillation entstehende Schlempe, ein alkoholfreier Brei aus Weizen, Malz und Hefe, war wertvolle Winternahrung für das Vieh. „So ist es auch heute“, erzählt der Urenkel. „Wir verarbeiten Weizen von einem Landwirt in Sichtweite des Betriebs. Den Weizenkorn brennen wir nur von Oktober bis April, damit die Schlempe wie früher als Winterfutter dient.“

Nachhaltige Tradition: Vom Privatbrand zum Korn-Kult
Sind Korn und Köm dasselbe? Thomas Ernst lacht. „Das hat sich eingebürgert, ist aber falsch. Köm ist ein Destillat mit Kümmel. Erst nach 1945 wurde reiner Weizenkorn durch die Ostflüchtlinge in Schleswig-Holstein populär.“ Weizenkorn stellt Brenner Christoph Schacht in drei Varianten her: den klassischen Oldesloer (32 Vol.-% Alkohol), den Doppelkorn (38 Vol.-%) und die historische Gründermarke (35 Vol.-%). „Mit jenem Privatbrand überraschte mein Urgroßvater Freunde“, verrät Ernst. „Und der Oldesloer Kümmel ist bis heute Kult bei Kennern.“ Das feine, dem Aquavit ähnliche Destillat entsteht auf Basis von Kümmel, Fenchel, Anis, Koriander, Zitronen- und Apfelsinenschale. Diese und weitere Spirituosen füllt das mit dem Bundesehrenpreis des Landwirtschaftsministers ausgezeichnete Unternehmen in sieben Größen ab. Dabei ist ein neuer Kult im Werden: die Drei-Liter-Flasche flüssigen Kulturguts für große Anlässe.

Erhältlich überall bei famila.