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Foto(s): Frederik Röh; Text: Beate Roßbach

Ein Leben ohne Nuss-Nougat-Creme ist möglich, aber fade. Für Jens Eschke gehörte der süße Aufstrich seit seiner Kindheit unbedingt dazu, bis ihn eine Laktoseintoleranz zum Umdenken zwang. Ein verträglicher Ersatz musste her – und so erfand er „Löffelnuss“.

In seinem Elternhaus stand der berühmte schokoladig-süße Aufstrich mit dem „N“ immer auf dem Tisch, erzählt Jens Eschke. „Mein Vater und ich hatten ein festes Ritual. Auf dem Weg von der Arbeit kaufte er frische Brötchen, und die haben wir dann mit der Creme bestrichen und zusammen gegessen. Eine Gewohnheit, die ich immer beibehalten habe, bis es eines Tages nicht mehr ging.“ Jens Eschke, der, so sagt er, bis Anfang 30 alles essen konnte, ohne darüber nachzudenken, was er zu sich nahm, wurde krank. Der heute 46-jährige hat eine Laktoseintoleranz, die so ausgeprägt ist, dass er seine Ernährung komplett umstellen musste. Das geliebte „N“ wurde ersatzlos gestrichen. Die Suche nach laktosefreien Cremes war erfolglos. Aber ein „Geht nicht“ gibt es für Jens Eschke nicht: „Ich habe immer einen Plan B und C.“

Von der Versuchsküche zum perfekten Rezept
So begann er, selbst zu experimentieren. Im Internet fand er ein Rezept für den Thermomix und startete die ersten Versuche. Das Ergebnis war zwar süß und cremig, entsprach aber bei Weitem nicht dem angestrebten Vorbild. Mit wissenschaftlicher Gründlichkeit und detektivischem Spürsinn machte Jens Eschke weiter. Im Hauptberuf Kaufmann und ohne Erfahrung in der Lebensmittelherstellung, las er alles, was er zum Thema finden konnte. Er recherchierte die am Markt verfügbaren Produkte, prüfte Inhaltsangaben und versuchte, sie nachzumischen, um dem Original möglichst nah zu kommen. Dabei ging er bis in die Vergangenheit. Auf alten Etiketten, die er aus diversen Quellen erhielt, konnte er sich über die ursprüngliche Zusammensetzung seines einstigen Traumaufstrichs schlau machen. Dabei stellte er fest, dass der Hersteller irgendwann hochwertiges Sonnenblumenöl gegen Palmöl ausgetauscht hatte. Die Verwendung von Palmöl aber ist für Jens Eschke tabu. Heute sagt er: „Es braucht nur wenige Zutaten für eine gute Nuss-Nougat-Creme.“ So kommen bei Löffelnuss die Mandeln aus Kalifornien, die italienischen Haselnüsse ausschließlich von einem kleinen Familienbetrieb im Piemont. Statt Palmöl verwendet er grundsätzlich hochwertiges Sonnenblumenöl. Der Kakao ist eine Mischung aus zertifiziertem französischem und belgischem Kakao. Echtes laktosefreies Magermilchpulver, Zucker aus Norddeutschland und hochwertiges Vanillin sowie genfreies Bio-Sojalecithin als Emulgator runden das Rezept ab.

Das Vorbild kam aus Indien
Genauso aufwendig wie die Entwicklung der perfekten Rezeptur war auch die Suche nach den geeigneten Maschinen zur Produktion. Dabei ist es wichtig, die Zutaten absolut fein zu zermahlen. In großen Firmen geschieht das mit tonnenschweren Mahlwerken. Jens Eschke hatte die ersten Erfolge mit einer Maschine aus Indien, die ursprünglich zur Herstellung von Gewürzpasten verwendet wurde, aber auf Dauer zu langsam war. Damit konnte er Methodik und Rezept in Einklang bringen und das erwünschte leckere Ergebnis erzielen. Aktuell erledigen diese Arbeit schnellere Maschinen aus der Schokoladenindustrie, die mit den Mahlkräften von Stahlkugeln arbeiten. Diese mahlen die bereits zuvor in einer Mühle zerkleinerten Nüsse noch einmal extra fein.

Familienunternehmen mit Liebe zur Handarbeit
Seit dem Start im Jahr 2018 ist das Unternehmen stetig gewachsen. Jens Eschke und ein Mitarbeiter sind zuständig für die Produktion, Ehefrau Susan führt ein eigenes Schreibwarengeschäft, unterstützt ihren Mann aber tatkräftig im Bereich Verwaltung. Jens Eschkes Mutter Sonja liebt es, mitzuarbeiten, wo immer sie gebraucht wird. „Sie kommt gern ein paar Stunden in der Woche und beklebt die Gläser per Hand mit unseren schönen Etiketten.“ Inzwischen ist die Produktion jedoch so groß, dass die Anschaffung einer professionellen Etikettiermaschine ansteht. „Meine Mutter liebt diesen Job, aber täglich von morgens bis abends wird sie dann doch nicht kleben wollen“, kommentiert Jens Eschke lachend. Die Herstellung der Löffelnuss-Cremes findet heute in einer eigenen Halle in Goldenstedt bei Vechta statt. Für weiteres Wachstum sind noch einige Reserven vorhanden. Wie gefragt die drei Sorten „Haselnuss“, „Mandel“ und „Weiße Haselnuss“ sind, verdeutlicht die Anekdote über die Namensgebung der Marke. „Unsere ersten Gläser hatte ich nur zum Testen abgefüllt und zu Freunden mitgenommen“, so Jens Eschke. „Sie schmeckten aber allen so gut, dass es die Creme gar nicht mehr aufs Brot schaffte. Sie wurde gleich aus dem Glas gelöffelt, und so entstand unser Name.“

Erhältlich bei famila in Diepholz und Weyhe.