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Frühe Kartoffeln sind eine gesunde Delikatesse und kommen jetzt in Norddeutschland frisch geerntet auf den Tisch. Wir haben Inga und Jan-Henning Wülfken auf dem Liensfelder Landhof in der Holsteinischen Schweiz besucht und sich angeschaut, wo die goldfleischigen Knollen wachsen.

Foto(s): Frederik Röh
Text: Claudia Reshöft

Es knarzt und knackt und ruckelt – dann gibt der Motor nur noch ein Hüsteln von sich. Herrje, mitten in der Aussaat hat sie sich festgefahren, die Pflanzmaschine. Dabei müssen sie im April doch „rin, de Kartübbeln“, wenn es 90 Tage später heißen soll: „Rut mit de Kartübbeln.“ Trotz der Panne behält Jan-Henning Wülfken einen klaren Kopf. „Wir setzen unsere Saatkartoffeln immer ein bisschen später, weil wir hier einen schwereren sandigen Lehmboden haben“, sagt er. Die Ernte der ersten Frühkartoffeln Ende Juli ist auf jeden Fall gesichert. Eine Woche ohne Kartoffeln auf dem Teller? Undenkbar! Der Norddeutschen liebste Knolle ist so vielseitig wie keine andere Beilage, sie wird gestovt, in Scheiben geschnippelt, püriert, im Ganzen serviert oder als Solist mit guter Butter obendrauf verspeist. Kein Wunder, dass der  Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda die Kartoffel als „Mandel der Erde“ beschrieb, als Feind des Hungers und unerschöpflichen Schatz aller Völker.

Keine Zeit für Langeweile
Diesen Schatz hegt und pflegt Familie Wülfken. Ihr schöner Hof mit großen Lagerhallen und Hofladen liegt im kleinen Dorf Liensfeld. Jan-Henning Wülfkens Eltern betrieben hier Ackerbau. „Nur Getreide anbauen – das war mir zu langweilig“, sagt der 41-Jährige.

Über Langeweile kann er sich definitiv nicht mehr beklagen, seit er und seine Frau Inga auch auf Gemüseanbau setzen. Auf den 320 Hektar Land gedeihen neben Gerste, Raps und Weizen unter anderem Bohnen, Kichererbsen, Spargel, Kürbisse – und Kartoffeln. Die Allrounder-Sorten Linda oder Belana etwa und auch die rotschalige, aber gelbfleischige Birgit, die sich hervorragend für Kartoffelstampf eignet. Im Frühjahr lagert in den Hallen noch das Saatgut, penibel nach Sorten getrennt. Die Knollen keimen mit aller Kraft. Zu groß dürfen die Keime nicht werden, denn sie könnten beim Pflanzen abbrechen. Nun muss es also flott gehen.

Das unterirdische Wunder
Die Pflanzmaschine auf dem Acker ist repariert. Schon bringt ein Traktor Nachschub. Die vorgekeimten Knollen werden per Hand in die Maschine gegeben – so ist es am schonendsten. In regelmäßigen Abständen purzeln sie auf den Acker und werden dann mit rund sieben Zentimeter hohen Erddämmen angehäufelt. Dreimal wird Jan-Hennig Wülfken mit seinen Mitarbeitern ausrücken, um die Dämme zu erhöhen. Wenn Ende Juli der Kartoffelroder ausrückt, um die Ernte einzufahren, hat sich unter der Erde ein kleines Wunder ereignet: Aus einer einzigen Knolle ist ein Dutzend geworden. Gut so, denn von Kartoffeln bekommt man einfach nie genug.

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