Kiwi

Pelzige Kugeln

Eine so spannende Geschichte wie die Kiwi hat nicht jede Obstsorte vorzuweisen. Sie handelt von Reiselust, Wagemut und Cleverness. Irgendwie passend zu dieser eigentümlich aussehenden Frucht.

Alles begann im Jahr 1904. Die junge Lehrerin Isabel Fraser ließ sich für ein Jahr von ihrer Arbeit freistellen. Die Zeit wollte sie nutzen, um mit ihrer Schwester durch China zu reisen. Gemeinsam brachen sie von Wanganui auf der Nordinsel Neuseelands auf. Im Land des Lächelns begegnete Fraser eine unscheinbare, behaarte Frucht. Sie schmeckte so wunderbar saftig und erfrischend, dass die Lehrerin die kleinen schwarzen Kerne aus dem Fruchtfleisch aufbewahrte. Auf der Rückreise schmuggelte sie trotz Einfuhr- und Quarantänebestimmungen die Kerne nach Neuseeland. Dort übergab sie sie an ihren Freund Alexander Allison. Als leidenschaftlicher Hobbygärtner gelang es ihm tatsächlich, aus den Samen Pflanzen zu ziehen. Einige Jahre später trugen sie erste Früchte. Die Kiwi war in Neuseeland angekommen.

„Chinesische Stachelbeere“
Alison taufte die Frucht damals noch nicht Kiwi, sondern nannte sie „Chinesische Stachelbeere“. Die Neuseeländer liebten die Neuheit, dementsprechend wuchs die Nachfrage. Dem Gartenbauwissenschaftler Hayward Wright gelang die Züchtung der kommerziell nutzbaren Sorte „Hayward“. Erste Plantagen entstanden. 1952 verschiffte man einige Kisten voller Kiwis nach England. Dort kam jedoch der Name „Chinesische Stachelbeere“ in Zeiten des Kalten Krieges nicht gut an, entsprechend zögerlich griffen die Briten zu.

Als die Kiwi zur Kiwi wurde
Das änderte sich schlagartig, als clevere Werbefachleute sich den Namen Kiwi für die Kiwi ausdachten. Ein einfacher, wohlklingender Name, der sogar die Herkunft der Frucht klarmacht: Neuseeland. Dort, wo die Kiwivögel nachts durch die Wälder laufen – ebenso eigentümliche und zugleich putzige Gestalten, wie die Früchte selbst. Wenn das keine schöne Geschichte ist!

Tipps

Aus unreif wird reif
Kiwis gehören zu den nachreifenden Obstsorten. Bei Raumtemperatur werden sie weicher und süß. Besonders schnell geht dies, wenn sie neben Äpfeln und Bananen lagern.

Leckere Vitaminbombe
In Kiwis steckt jede Menge Vitamin C. Schon zwei Stück decken den täglichen Bedarf.

Grün bis Gold
Neben den grünfleischigen Kiwis gibt es auch gelbe Sorten. Ihre Schale ist weniger behaart und das Fruchtfleisch schmeckt süßer.

Wo Kiwis heute wachsen
Hauptanbauländer sind Italien und Neuseeland. Rund 900.000 Tonnen Kiwis werden jährlich geerntet.

Gut zum Fleisch, schlecht zum Quark
Das Actinidin in Kiwis spaltet bestimmte Eiweiße. Das macht Fleisch zarter, sodass Kiwis gut zum Marinieren geeignet sind. Milchprodukte allerdings werden bitter, und Gelatine verliert ihre festigende Wirkung.