Kaffeerösterei J.J. Darboven

Eine Bohne voller Wunder – Hach, wie das duftet! Wir lieben Kaffee – erst recht, wenn er in Bio-Qualität daherkommt und so produziert wird, dass die Menschen, die jede einzelne Kaffeekirsche mit Sorgfalt pflücken, von ihrer Arbeit leben können. Und schmecken tut er auch noch, der Café Intencion.

Morgens um halb zehn in Hamburg ereignet sich, was sonst verpönt ist: Es wird geschlürft! Und gespuckt! Ausgiebig, genüsslich, im Sekundentakt. Das gehört im Hause J.J. Darboven sogar zum guten Ton. Auf Neudeutsch würde man das Coffee-Tasting nennen. Rohkaffeeeinkäufer Robert Bensch und Albert Darboven, Herz und Kopf der traditionsreichen Kaffeerösterei, treffen sich an einem runden Tischchen, um die Röstungen der Bohnen vom Vortag zu testen.

Kaffeekränzchen der besonderen Art
Einem langsam fahrenden Karussell gleich setzt sich der Tisch mit einer Reihe von Kaffeetassen, in denen perfekt temperierter Kaffee dampft, in Bewegung. Wie auf Kommando versenken die beiden Herren ihren Probierlöffel in dem schwarzen Getränk, schlürfen es über die Zunge auf, um es dann in einem Spucknapf zu entsorgen. Was befremdlich klingt, ist eine von vielen Qualitätskontrollen. „Hier im Probenraum zeigt sich, ob ein Röst- und Mischungsergebnis unseren Vorstellungen entspricht“, erklärt Albert Darboven, der dank seines legendären Geschmackserinnerungsvermögens noch exakt weiß, wie der Kaffee, etwa aus Peru, vor einem Jahr geschmeckt hat. Heute ist er mit der Produktion seiner Fairtrade-Bio-Marke Café Intención hochzufrieden. Man könnte meinen, in den Adern des feinen Hanseaten fließe Kaffee. „Jeden Morgen um  halb sechs trinke ich eine dreiviertel Thermoskanne schwarzen Kaffee. Ohne kann ich nicht leben“, gesteht er. Schon als Kind schleckte er heimlich die letzten Tropfen aus den Tassen der Großen. Von da an ließ ihn die dunkle Bohne nicht mehr los. Er arbeitete in den 1950er-Jahren für die Kaffeeimportfirma Rothfos in Mittel- und  Südamerika. Und er beobachtete, dass die Kaffeebauern und ihre Familien von den Hungerlöhnen kaum leben konnten, während die Plantagenbesitzer immer reicher wurden. Als überzeugter Christ nahm er sich vor, an dieser Ungerechtigkeit etwas zu ändern.

Wie eine gute Absicht zum Segen wurde
Als Albert Darboven 1993 vom Transfair-Verein erfuhr, war er als einer der Ersten bereit, fair gehandelten Kaffee in Deutschland auf den Markt zu bringen. 2004 wurde daraus die Fairtrade-Pioniermarke Café Intención, deren Name übersetzt „gute Absicht“ heißt.

Die Rohware stammt von Fairtrade-zertifizierten Kooperativen in Honduras und Peru. Die gute Absicht von Café Intención ist, Kleinbauern so zu entlohnen, dass sie von ihrer Arbeit anständig leben können. Die Kaffeeernte ist eine mühevolle Arbeit. Jede einzelne Arabica-Kirsche wird zum optimalen Reifezeitpunkt von Hand gepflückt. Danach wird mit Maschinen das rote Fruchtfleisch entfernt. Bei einer Art Spülgang lösen sich durch im Wasser befindliche Enzyme die klebrigen Reste an der Bohne. Schon bei dieser Fermentierung ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn mit ihr wird der Grundstein für die Geschmackseigenschaft und Qualität des späteren Kaffees gelegt. Wenn die hellgelben Bohnen alle 20 Minuten gewendet werden, um sie zu trocknen, verlieren sie ihr schützendes Pergamenthäutchen. Erst dann verlassen sie die Kooperative in  Kaffeesäcken und gehen auf Schiffsreise nach Hamburg. Dort findet die weitere Veredlung des Rohkaffees statt.

Qualität – eine Sekundenfrage
Beim Hamburger Traditionsunternehmen, 1866 von Albert Darbovens Urgroßonkel gegründet, fährt gerade ein großer gelber Lkw auf den Betriebshof. Er bringt eine Containerladung Rohkaffee. In der Rösterei werden in riesigen Kesseln unter großer Hitzezufuhr enorme Reaktionen in den Bohnen in Gang gesetzt. Beim Rösten bilden sich neue chemische Verbindungen und rund 1.000 verschiedene Aromastoffe, die den Café Intención so einzigartig machen. Je nach Sorte kann solch ein Vorgang bis zu 20  Minuten dauern. Der Röstmeister behält das genau im Blick, denn bereits Sekunden können über die Qualität des Kaffees entscheiden. Aber bevor der Kaffee filterfertig gemahlen, in Pads oder als ganze Bohnen in die Märkte kommt, wird er natürlich noch einmal getestet. Auch nach so vielen Jahrzehnten im Kaffeegeschäft staunt Albert Darboven, wenn er reife Kaffeekirschen anschaut, noch immer darüber, „wie sorgfältig der liebe Gott die Bohnen verpackt hat“. Ein Grund mehr, die wertvollen  Aromalieferanten sehr sorgsam und mit Achtung vor Mensch und Natur zur verarbeiten. Der 84-Jährige hofft, dass sein Engagement für die Abschaffung der Kaffeesteuer für fair gehandelten Kaffee auch noch Früchte trägt. Es würde vielleicht noch mehr Menschen dazu bringen, sich für das Geschmackserlebnis mit gutem Gewissen zu entscheiden.

Erhältlich in vielen famila Warenhäusern.