Holstein Kiel

Käpt’n im Holstein-Boot – Schwieriges Fahrwasser zurzeit: Durch die Corona-Pandemie ist auch die Fußball-Profiwelt durcheinandergewirbelt. Bei dem Zweitligisten Holstein Kiel sorgt Mannschaftskapitän Hauke Wahl dafür, dass das Team dennoch zusammenhält und funktioniert.

Menschenleer ist das Holstein-Stadion in Kiel an diesem kalten Wintertag. Nur Hauke Wahl sitzt auf den blauen Tribünenplätzen, eingemummelt in seine dicke Jacke. So leer wie heute ist es im Stadion nun schon seit langer Zeit. Traurig, aber notwendig, sagt der gebürtige Hamburger und lässt seinen Blick schweifen. „Fußball lebt extrem von Emotionen, und natürlich fehlen die Fans zur Unterstützung. Ein Tor wird nicht mehr so krass gefeiert wie sonst. Es fehlt der zwölfte Mann, der uns nach vorne peitschen kann.“ In diesen noch nie dagewesenen Zeiten ist es für den Kapitän von Holstein Kiel eine ganz besondere Aufgabe, die Jungs zusammenzuhalten. Die Spieler befinden sich in einer Art Blase: In die Fußballwelt kommt kaum ein Außenstehender hinein. Corona-Tests ohne Ende, die Sorge der Spieler vor einer Ansteckung oder vor Quarantäne-Maßnahmen – all das schlägt aufs Gemüt. „Meine Aufgabe ist es auch, neue Spieler zu integrieren. Das ginge natürlich leichter, wenn man zum Beispiel auch mal privat essen gehen könnte.“ Wenigstens dürfen die Profis wieder nach dem Training duschen und die Kabinen benutzen. „Das war beim ersten Lockdown ja auch alles weggefallen, und man musste nach dem Training direkt nach Hause. Nun haben wir die Kabine wieder. Das ist wichtig für den Zusammenhalt, auch wenn viel dummes Zeug geredet wird. Wir sind ja alle noch Jungs.“

Mit dem Willen zum Gewinnen
Hauke Wahl sieht seine Aufgabe als Kapitän darin, Entscheidungen für die Mannschaft zu treffen. „Ich interpretiere es so, dass ich jemand bin, der die anderen hochzieht. Wer schläfrig ist, wird aufgeweckt. Wer nicht gut drauf ist, den baue ich auf. Und im Spiel gebe ich von hinten Kommandos und führe, pushe, schärfe die Sinne.“  Selbstbewusst ist er, der fast 1,90 Meter große Innenverteidiger, der jedes Spiel gesetzt und eine der wichtigen Stützen in der Abwehr ist. Mit seinen 26 Jahren hat er bereits viele Vereine durchlaufen, spielte schon einmal bei Holstein Kiel, kickte danach in Paderborn, beim FC Ingolstadt 04 und beim 1. FC Heidenheim, bevor er im Sommer 2018 an die Förde zurückkehrte.

Beim Kieler Trainer Ole Werner hat er ein großes Standing und genießt höchstes Vertrauen: „Hauke hat eine starke Meinung, die er gut vertreten und argumentieren kann. Neben seiner sportlichen Qualität, die er ohnehin mit einbringt, will er immer gewinnen und trägt diesen Geist auch in die Mannschaft.“ Und noch mehr Lob gibt es von Mannschaftskamerad Stefan Thesker: „Hauke ist kein Lautsprecher oder Alleingänger. Er legt viel Wert auf unsere Meinungen und eine offene Kommunikation und bespricht alles mit dem Mannschaftsrat. Und er ist immer gut drauf.“ Stimmt, meint der blonde Norddeutsche und grinst. Man merkt, dass er sich bei Holstein Kiel rundum wohlfühlt, bei einem Verein, der immer noch familiär geführt wird trotz des großen Erfolges. „Der Verein hat sich auf jeden Fall weiterentwickelt, ist professioneller geworden.“ Was Hauke Wahl mag, ist das Persönliche. So wird er hier im Stadion kumpelhaft vom Platzwart begrüßt und wechselt ein paar Worte mit einem Mitarbeiter aus der Marketingabteilung. Man kennt sich – das ist nicht in jedem Verein so.

Viel mehr als Fußball im Kopf
Zum Schluss gibt der Profifußballer noch Einblicke in sein Privatleben, erzählt von seiner Freundin, mit der er schon seit der A-Jugend zusammen ist, von seinem Finanzmanagement-Studium, für das er aber gerade nicht so richtig viel Zeit findet, und von seinem neuen Podcast „Weiches Holz“, den er seit knapp einem Jahr mit seinem Flensburger Freund Torge Paetow produziert. „Unsere erste Folge haben sich rund 1.000 Leute angehört – das macht richtig Spaß.“ Klavier spielen, Spanisch lernen – der Fußballer probiert einiges aus und ist ziemlich vielseitig. Was er demnächst machen will? „Mal gucken, aber auf jeden Fall noch bis 2023 bei Holstein Kiel bleiben und Kapitän sein.“ Und das Team weiter durch die schwierige Corona-Zeit führen.