Brauhaus Klüver

Handwerklich gebrautes Bier made in Norddeutschland – das gibt es im Brauhaus Klüver direkt an der Hafenkante in Neustadt in Holstein. Wer möchte, sitzt neben den Kesseln und schaut Braumeister Steve Michalak bei der Arbeit zu.

Es duftet nach Malz und Hopfen, wenn Steve Michalak an den Braukesseln steht. In Klüvers Brauhaus kann man erleben, wie Bier entsteht, und das Ergebnis gleich probieren. Neun Biersorten werden gebraut plus eine Handvoll saisonaler Sorten. Aus der einstigen Fischhalle ist eine Hausbrauerei mit angeschlossener Gastwirtschaft geworden. Mehr als 80 Mitarbeiter sind bei der Klüvers Delikatessen Manufaktur beschäftigt und kümmern sich um Bier und Feinkost.

Das Malzlager ist stets gut gefüllt. „Malz bestimmt den Charakter des Bieres“, erklärt Steve Michalak, Braumeister bei Klüvers. Sechs- bis achtmal pro Woche setzt er einen Brauprozess an. Im Jahr braut er rund 275.000 Liter Bier.

Etwa 13 Malzsorten stehen im Brauhaus Klüver zur Auswahl. Kurz getrocknetes Malz ist heller und eignet sich für Biersorten wie Pils, lange getrocknetes Malz für dunkle Biere.

Das zerkleinerte Malz kommt zusammen mit Wasser in den Maischbottich. Die Maische wird mit Dampf auf etwa 80 Grad erhitzt. Dadurch wird die im Malz enthaltene Stärke zu vergärbarem Zucker. Anschließend fließt die Maische in den Läuterbottich.

Die festen und flüssigen Bestandteile werden getrennt: Die Flüssigkeit läuft zurück in den Bottich, die Würzepfanne. Der Treber bleibt am Boden zurück. Der gesamte Prozess wird vom Braumeister gesteuert und überwacht – ein Kennzeichen bei der Herstellung von Craft-Bieren.

Der Treber wird aus dem Bottich gekehrt. Ein Landwirt füttert damit seine Rinder, und die örtliche Bäckerei Sesselberg backt daraus ein „Brauereibrot“.

Nun kommt die Seele des Bieres hinzu: der Hopfen. „Unser kommt überwiegend aus der Hallertau in Bayern, dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt“, sagt Steve Michalak. Für einige Saisonbiere werden spezielle Aromahopfensorten aus den USA verwendet.

Eine Stunde lang wird bei 100 Grad alles gekocht. Ist die Würze dann auf Gärtemperatur heruntergekühlt, werden Hefekulturen zugesetzt. „Die klassische untergärige Hefe stammt von der Holsten Brauerei in Hamburg.“ Die Hefen machen sich an die Arbeit und verwandeln Zucker in Alkohol. Nach etwa einer Woche ist das Jungbier fertig. Dann wird es in einen der vielen Lagertanks gepumpt und reift dort zwei bis drei Wochen.

Ein Teil des Bieres fließt direkt in die Zapfanlagen des Restaurants. Der andere Teil wird in die Abfüllanlage nach Gleschendorf gefahren, kommt dort in Flaschen und schließlich in den Handel.

Erhältlich in vielen famila-Warenhäusern in Schleswig-Holstein.

Tipps

Quer durch die Küche
Helles Bier passt besonders gut als Sud für junges Gemüse. Eine Bier- Senfsoße verfeinert Fischgerichte. Crème brulée bekommt durch die Zubereitung mit Malzbier eine besondere Note.

Geschmack nach Sorte
Obergärig, untergärig, hell, dunkel, kräftig, mild: Die verschiedenen Geschmacksrichtungen der Biersorten ermöglichen individuelle Rezeptvarianten.

Lange Tradition
Vor 100 Jahren gab es kaum ein Kochbuch ohne ein Rezept mit Bier. Es galt als Nahrungsmittel, „dieweil es kräfftig und nährend ist, auch bey Gebrechlichen“, wie Pastor Andreas Schuffels in seinem Haushaltsbuch vermerkte.

Frauensache
Bei den Germanen war das Brauen reine Frauensache. Es gehörte wie Kochen und Backen in die hauswirtschaftliche Abteilung. Im frühen Mittelalter war es Sitte, dass eine Frau, die gebraut hatte, ihre Nachbarinnen zu einem Bierkränzchen“ einlud.